Jüdisches Museum

 

Die Erinnerungslandschaft Berlins ist sehr geprägt von Nationalsozialismus und Holocaust und so lässt sich auch ein Besuch im Jüdischen Museum auf nahezu jeder Besucher-Liste finden. Überraschenderweise bekamen wir die Architekturführung; eine gute Gelegenheit, die Materie aus einem anderen und neuen Blickwinkel zu sehen. Denn die Architektur des Museums stellt bereits Geschichte dar. Nachdem die Frage der barocken Gartengestaltung geklärt war, betraten wir den Kern des innovativen Libeskind- Baus:  die unterirdischen Achsen. 


Sie zeigen symbolisch die drei Wege der verfolgten Juden in Deutschland, die im Exil, dem dunklen Holocaust-Turm oder der "Freiheit" enden. Alle drei Achsen sind miteinander verbunden, enden jedoch in verschiedenen Stationen. Die Achse des Exils führt beispielsweise in den Garten des Exils, einen schräg angelegten Garten aus 49 Stelen, in welchem man sich durch die hohen Betonsäulen zwar beengt fühlt, den entscheidenden Schritt an die frische Luft jedoch bereits gemacht hat.

Die Achse des Holocaust dagegen führt in den sogenannten Holocaust-Turm, einen dunklen Turm, in welchem man sich von der Außenwelt abgeschnitten fühlt. Einzig durch eine kleine Öffnung im Dach hört man noch Verkehrsgeräusche, womit das Gefühl der Verzweiflung darüber, Teil der Umwelt zu sein und gleichzeitig von dieser isoliert zu werden, steigt.

Die Achse der Kontinuität ist letztlich die einzige, die wieder in die wirkliche "Freiheit" führt, da sie die unterirdische Ebene wieder mit der oberirdischen verbindet, der Besucher also nach dem Entlanglaufen dieser Achse wieder in die oberen Stockwerke gelangen kann.

Die Achsen sind aber nicht nur in ihren Endungen besonders, sie sind auch ausnahmslos schief angelegt. So wird der Weg zum Garten des Exils stets beschwerlicher, da der Boden ansteigt und die Wände enger werden. Ebenso verengen sich die Wege in Richtung Holocaust-Turm. So entsteht nicht nur ein unbehagliches Gefühl beim Besucher, der ein oder andere Mitarbeiter des Museums muss sich mit Hüftproblemen herumschlagen. 

 

Doch das Jüdische Museum hält noch mehr außergewöhnliche Eigenheiten bereit. Von den Berlinern liebevoll „Blitz“ genannt,  entfaltet sich seine Stärke vor allem in den Leerräumen des Gebäudes. Diese „voids“ müssen mit eigenen Erinnerungen und Ideen gefüllt werden. Sie sind Leerräume in der Architektur. Die Füllelemente, „voided voids“ sind genutzt, der Holocaust Turm beispielsweise, ist ein solches voided void. Innerhalb des Museums werden die Leeräume für Installationen oder die Verbindungstreppe zwischen den Ebenen benutzt. Die Form des Museums, welche ihm auch seinen Spitznamen beschert hat, entstand aus zwei Gedankenlinien Libeskinds, deren Kreuzung die Form bestimmt. 

 

So ist die Architektur des „Blitzes“ die Attraktion des Museums an sich. Auch, wenn man das im Angesicht des Wunsch- Granatapfelbaums schonmal wieder vergessen kann. So haben wir zwar nicht wirklich viel vom eigentlichen Inhalt des Museums gesehen, aber wie so oft im Leben muss man sich eben entscheiden: Form oder Inhalt.

 


Mehr Infos: Homepage des Jüdischen Museum