Peterchens Welt – Ein Abend mit S.C. Happy

 „Peter Wawerzinek ist jemand, der noch voller Geschichten steckt, der Ihnen genau erzählen kann, wie es damals in der Prenzlauer Szene zuging,“ so kündigt Dr. Andreas Erb den Ingeborg-Bachmann Preisträger an. Und wirklich, es braucht nicht viel, um Wawerzinek oder S.C.Happy, wie er u.a. in der Prenzlauer Szene heißt, zum Reden zu bringen. Um genau zu sein, ist er ein Selbstläufer, denn so wie seine Prosa nur so von Sprachgewalt strotzt und allein durch Worte unzählige Bilder heraufbeschwört, genauso lebhaft erzählt Wawerzinek nun auch über sich, seine Vergangenheit und seine Romane.


Geboren wurde der Schriftsteller 1954 als Peter Runkel in Rostock, doch bereits kurz nach seiner Geburt floh seine Mutter in den Westen und ließ das Kind in der Wohnung zurück. Es folgte eine Zeit in verschiedenen staatlichen Kinderheimen, bis er mit ca. 10 Jahren von einem Ehepaar adoptiert wurde und den Namen Wawerzinek bekam. „Für Alice,“ so erzählt er „ war ich eine Art Projekt: Sie wollte der ganzen Dorfgemeinde zeigen, dass sie es schaffen würde, aus einem Heimkind das besterzogene Kind der ganzen Stadt zu machen.“ Eine Biografie, die geradezu dazu einlädt, einen Roman daraus zu schreiben – oder auch mehrere. Das Kind, das ich war, Mein Babylon, und Rabenliebe sind nur einige der vielen Titel, in denen Wawerzinek seine Kindheit einarbeitet, und sicher auch verarbeitet.


Auch an diesem Abend scheint es, als ob er in einer Art Mikrokosmos lebt, in dem er zweifelsohne die Hauptfigur spielt. Nicht ohne Stolz berichtet er von seinen Einladungen nach Klagenfurt und den Erfolgen seiner Bücher. Aber auch negative Eigenschaften und Ängste legt er offen dar: „Da ist immer dieses Gefühl, gefallen zu müssen und doch immer nur ein schmutziges Heimkind zu bleiben.“ Detailliert erzählt er aus seiner Kindheit und seiner Jugend, stellt Verbindungen zu seinem jetzigen Leben und seinen Romanen her. Dabei greift er immer wieder nach seinen Büchern, die teilweise noch eingeschweißt und neu, teilweise auch stark gelesen, auf dem Tisch liegen - ganz so, als könne er das Erlebte nur greifbar und vor allem begreifbar machen, wenn er das geschriebene Wort materialisiert auf Papier in der Hand hält.


Dabei reicht bei Wawerzinek auch schon das gesprochene Wort, um alles in seinen Bann zu ziehen und auch über zwei Stunden hinweg die Aufmerksamkeit seiner ZuhörerInnen zu halten, solange bis er plötzlich selbst die Stopptaste drückt und seinen Vortrag genauso unvermittelt beendet, wie er ihn begann. Angeregt von ein paar Fragen der Studierenden setzt er noch einmal kurz an, doch das Gesagte verliert sich in ausweichenden Antworten. Peter Wawerzinek hat alles gesagt, was er zu sagen hatte, hat scheinbar sein Innerstes nach außen gekehrt, doch der Impuls dazu kam alleine von ihm, von außen so scheint es, lässt es sich nur schwer in dieses Mikrokosmos eindringen.